Lieblingsplätze: Die Rheinnixe

Geposted von Ludwig vanB. am

Einer der Lieblingsplätze in Bonn ist eigentlich kein Platz. Hier kann man nicht verweilen sondern ist immer in Bewegung. Dieser Platz ist auf der Rheinnixe. Eine kleine Bonner Fähre. Die Überfahrt ist jedes Mal wie ein kleiner Urlaub.

Die Bonner Rheinnixe

Die Rheinnixe wurde 1980 in Betrieb genommen und ist heute die einzige verbliebene Bonner Fähre auf dem Rhein. Sie verkehrt zwischen dem Beuler Rheinufer und Bonn. Parallel zur  Kennedybrücke zieht sie ihre Bahnen, etwas weiter stromaufwärts bzw. südlich der Brücke. Die Überfahrt geht recht flott und ist eigentlich völlig unspektakulär. Aber trotzdem, hier ist man mittendrin statt nur dabei. Je nach Wetterlage ist die Überfahrt etwas schauklig oder eben ruhig und sanft. Und je nach Wasserstand ist der Einstieg eine Herausforderung, z.B. wenn der Wasserstand niedrig ist und die Fähre weit unten im Wasser liegt. das gleiche gilt bei Hochwasser, da geht es dann plötzlich steil hinauf.
Aber wenn man erstmal an Bord ist, dann kann der Blick weit in die Ferne schweifen. Post Tower, Petersberg, UN (langer Eugen), Drachenfels und das ganze Siebengebirge liegen einem zu Füßen. Nichts für dich? Dann kannst du natürlich auch dem Kapitän beim steuern zusehen. Das ist auch immer interessant.

Garant für Regelmässigkeit

Als Garant der Regelmäßigkeit ist die Fähre eine Institution.
Auf der einen Seite ist sie ein Eckpfeiler für Gleichmässigkeit. Sie fährt  jeden Tag (mal abgesehen von erzwungenen Pausen durch extreme Wasserstände), und legt immer an den gleichen beiden Punkten an. Hin und her und her und hin. Passagiere aussteigen, Passagiere einsteigen und los. Passagiere aussteigen, Passagiere einsteigen. Dann geht alles wieder von vorne los.
Auf der anderen Seite ist aber jede Überfahrt anders. Mal ist das Verkehrsaufkommen auf dem Rhein hoch. Dann muss sich die kleine Fähre zwischen den  langen Reihen an großen Transport- und Containerschiffen hindurchschlängeln. Mal ist die Strömung stark. Dann sucht die Fähre den geschicktesten Weg, um durch Ausnutzen der Strömung Energie zu sparen. Mal ist der Wasserstand sehr niedrig. Dann sucht sie den Zugang zur letzten verbleibenden Fahrrinne an den Steg. Kein Tag ist also wie der andere. Damit ist die eigentliche Regelmäßigkeit also jeden Tag ein kleines Abenteuer.
Mein Lieblingsplatz ist ganz klar das Oberdeck.
Schon oft habe ich mich dorthin gesetzt und bin mehrmals hin und her gefahren. Nach dem Anlegen bin ich einfach sitzengeblieben und habe auf die nächste Überfahrt gewartet. Bezahlt wird entweder direkt beim Einsteigen oder eben beim Aussteigen.  Das Oberdeck ist, besonders bei Sonnenschein, ein echtes Highlight. Es macht Spaß die Passanten am Rheinufer zu beobachten. Oder neue Passagiere die an Bord kommen. Radfahrer, die eine Abkürzung nehmen, Familien mit Kindern, die eine kleine Bootsfahrt machen wolle, ein paar Touristen auf Entdeckungstour oder Rentner, die schon seit Jahren hier übersetzen. Wenn es dann losgeht, die Sonne scheint und man die Augen schließt, dann ist es fast wie am Meer. Man hört andere Schiffe, Stimmengewirr und sogar die Schreie der Möwen (Möwen sind am Rhein weit verbreitet, denn genug  zu futtern gibt es alle Male). Auf Deck noch eine mitgebrachte Tasse von Ludwigs Lieblings Kaffee und ein leckeres Teilchen, besser geht es nicht.

Die andere Seite 

Und wenn man dann von Beuel aus übersetzt, zum Brasse Ufer auf der anderen Seite, dann erhebt sich dort ein großer Kirchenkomplex. Das Collegium Albertinum. Es wurde 1892 im neugotischen Stil fertiggestellt und erhebt sich direkt am Rhein auf dem Gelände einer ehemaligen römischen Siedlung. Teile einer römischen Thermenanlage sind dort noch zu sehen. Das Collegium ist das Theologenkonvikt des Erzbistums Köln. Es war, in seiner langen Geschichte, unzähligen Priesterkandidaten während ihres Studiums Heimat und Studienort. Dort wohnen die Priesterkandidaten während ihres Studiums. Nicht umsonst würde das Haus früher von den Bonnern  „Kaplönchensfabrik” genannt. Ein imposanter Bau, der hoch über dem Rheinufer thront. Darauf fährt die Rheinnixe zu. Und in Kombination mit der Allee von Platanen am Rhein,  den geschotterten Wegen und Sonnenschein auf der Haut fühlt man sich schon wieder fast wie in Italien. Jetzt noch ein Espresso an Deck……..

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